Brief von Robert Franz an Marie Lipsius (La Mara) vom 20. Januar 1875

Letter

 Robert Franz (Sender)
 Marie Lipsius (Recipient)
  • Full title: Brief von Robert Franz an Marie Lipsius (La Mara) vom 20. Januar 1875
  • Date: 20.01.1875
  • Language: German
Wortlaut zitiert nach: Lipsius, Zur Erinnerung an Robert Franz, 1894.
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Soeben schickt mir Herr Sander einen Fragebogen von Ihnen zu und wünscht, daß ich denselben doch ausfüllen möge. Ehrlich gestanden, setzt mich das in einige Verlegenheit, weil sich's dabei teils um Privatverhältnisse, teils um Angelegenheiten, die noch im Schoße der Zukunft ruhen, handelt: jene mag ich aus zwingenden Gründen nicht veröffentlicht sehen, diese kann ich nicht beantworten. Sie würden mich daher sehr verbinden, wenn Sie nur Numero zwei, drei und vier der Fragen aufrecht erhalten wollten, über die ich Ihnen denn hiermit auch gern Auskunft gebe.

Ad 2. An einstimmigen Liedern sind von mir genau 251 Piecen veröffentlicht worden.

Ad 3. Wenn die Kistnersche Hanlung neue, jetzt von mir komponierte Lieder angezeigt hat, so scheint sie das besser zu weissen als cih. Allerdings erscheinen dort nächstens drei Chorlieder als mein Op. 46, die aber nur Bearbeitungen einstimmiger, in diesem Verlage bereits veröffentlichter Gesänge sind.

Ad 4. Ebenso verhält es sich mit den Siegelschen Chorliedern Op. 45. Daß diesen beiden Heften Opuszahlen an der Stirn stehen, ist nicht meine Schuld – nur auf besonderen Verlagen der Verleger, die geschäftliche Gründe dafür geltend machten, sind dergleichen Ziffern hingesetzt worden. Wie wenig ich für meine Person mit neuen Opuszahl prunken wollte, geht aus der Thatsache hervor, daß Frau Whistling ebenfalls drei solcher Chorlieder veröffentlicht hat, die aber keine Angabe des Opus zeigen.

An Originalkompositionen für Chor habe ich herausgegeben. Op. 15, Kyrie a capella; Op. 19, einen doppelchörigen Psalm, Op. 24, sechs Lieder für gemischten Chor; Op. 32, sechs Lieder für Männerchor; endlich Op. 29, eine Liturgie für gemischten Chor. Letztere erschien erst im vergangen Jahre bei Sanders, obschon der Entwurf zu ihr älteren Datums ist. Seit Ihrer biographischen Skizze in der Westermannschen Monatschrift wurde noch bei Sander die sogenannte 'Hebräische Melodie' in einer Bearbeitung von mir publiziert.

Aus meinem bisherigen Verhalten zu rein persönlichen Fragen haben Sie wahrscheinlich schon ersehen, wie peinlich mich eine Erörterung derselben berührt; es mag dies wohl hauptsächlich mit dem traurigen Zustande im Zusammenhange stehen, in welchem ich mich jetzt und für immer befinde. Die Sache gebe ich allen Seiten hin der Kritik unbedingt preis – meine Person dagegen entziehe ich soviel als möglich dem Gutachten der Welt. Diesem Grundsatze gemäß suchte ich von jeher zu leben – jetzt halte ich mich für doppel verpflichtet dazu. Bin ich Ihnen also nur ein wenig wert, so nehmen Sie gewiß auf die oben ausgesprochene Bitte Rücksicht.



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