Altes Lied

(„Du bist gestorben und weißt es nicht“)

Du bist gestorben und weißt es nicht,
erloschen ist dein Augenlicht,
erblichen ist dein rotes Mündchen,
und du bist tot, mein totes Kindchen.

In einer schaurigen Sommernacht
hab ich dich selber zu Grabe gebracht;
Klaglieder die Nachtigallen sangen,
die Sterne sind mit zur Leiche gegangen.

Der Zug, der zog den Wald vorbei,
dort widerhallt die Litanei;
die Tannen, in Trauermänteln vermummet,
sie haben Totengebete gebrummet.

Am Weidensee vorüber gings,
die Elfen tanzten inmitten des Rings;
sie blieben plötzlich stehn und schienen
uns anzuschaun mit Beileidsmienen.

Und als wir kamen zu deinem Grab,
da stieg der Mond vom himmel herab.
Er hielt eine Rede. Ein Schluchzen und Stöhnen,
und in der Ferne die Glocken tönen.


Scores

  • Digital copy available

    35 Lieder und Gesänge

Literature

Details

Reference(s)

  • p. 279:
  • Franz an C. Armbruster: " wish you would especially cherish No. 6, "Altes Lied," with its cockcrowings. It is a great favourite of mine. But you must give a long pause for the moon-speech, and then it will make most effect! The trumpet-sounds and the clang of bells in the last verse are also important."


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